Die Welt auf einen Satz – warum ich Aphorismen schreibe

by Oliver W Schwarzmann

Die Welt auf einen Satz – warum ich Aphorismen schreibe

Eine Welt voller Sprüche

Viele fragen mich, warum ich Aphorismen schreibe.
Nein, sie fragen nicht nach „Aphorismen“ – das ist kein bekannter Begriff, klingt nach meinem Geschmack auch wie die Bezeichnung eines Hautausschlags.
Viele fragen mich also, warum ich „Sprüche“ schreibe.
Nun, Sprüche klingt schon ein wenig abwertend, zumal ich aus der Finanzwelt komme, wo Sprüche klopfen an der Tagesordnung ist. Da geht es um den schnellen Effekt, um Kulissen, um Schein,
um Angeberei, um Euphorie, Motivation, Überzeugung. Das geläufige Worte war dort: „Ich bin nicht arrogant, ich bin überzeugt.“
Nun, wie auch immer, ich rede kurzerhand von „Gedankensprüchen“. Das trifft es für mich. 
Denn ein Gedankenspruch soll ein Sinnspruch sein, er soll nachdenklich machen, inspirieren, begeistern, anregen, Emotionen wecken und Lust auf eigene Gedanken machen.
Natürlich soll er auch originell, ungewöhnlich und einzigartig sein, ein Wortspiel ist gut, Doppeldeutigkeiten wirken klasse, wenn dann noch eine Pointe gelingt, ist der Satz perfekt.

Meine erste Zitatensammlung

Gedankensprüche schreiben, ist meine große Leidenschaft. Seit über 40 Jahren. Begonnen hat das Ganze, als ich etwa 15 Jahre alt war – da fiel mir ein Buch in die Hände, es handelte von fernöstlichen Weisheiten. Kurze Zitate voller Poesie. Die haben mich getroffen wie ein Blitz. Wer meine Lebensgeschichte kennt, weiß, dass ich zu dieser Zeit ein Fechter war, zugleich ein Boxer wurde,  Gitarre spielte und Gedichte schrieb. Alles wegen meiner kaputten Nase, Ergebnis einer Pfusch-Operation. Die Weisheiten-Sammlung wurde Begleiterin und Vorbild. Meine Gedichte schrieb ich immer kürzer; ich versuchte nach und nach, meine Gedanken in nur einem Satz unterzubringen. Lange, sehr lange, bevor es Twitter gab.
Es klappte zusehends besser; selbst meinen Lehrern fiel das auf. Sie schätzten nicht nur meine Sprüche, sondern auch die kurzen und knackigen Zusammenfassungen. „Du bringst es wie keiner zweiter auf den Punkt, knapp, spannend und unterhaltsam“ stand unter einer Deutscharbeit. Eigentlich wollte ich ja Romanautor werden, aber das Kurze gefiel mir so sehr, dass ich beim
Erzählen auf Short Storys, beim Berichten auf Kolumnen und Glosssen setzte und ansonsten auf
eben jene faszinierende Zitatform.   

Alles auf einen Satz

Auf einen Satz hatte ich meine Ausdrucksform gefunden – im doppelten Wortsinn. Überall kritzelte
ich Gedankensprüche hin, eine Urversion meiner Zettelpoesie. Auch schrieb ich alle Headlines für unsere Schülerzeitung und verdiente Geld mit Zusammenfassungen für die Oberstufe. Auch im Englischunterricht wie auf meinen späteren Reisen bediente ich mich einfach bei Elvis-Song-Zitaten und redete mich so durch die Welt. Es klappte nicht nur gut, ich wurde zum beliebten Gesprächs-partner an der Hotelbar.
Auch als Banker bediente ich mich der Wirkung von Zitaten und Sinnsprüchen, wurde so zum philosophischen Finanzmanager, was vor allem die Kunden schätzten. Auch der Vertrieb liebte das, die richtigen Erfolgssprüche puschen immens. Nach meinem Ausstieg aus allem, begann ich über Visionen zur Zukunft der Wirtschaft zu schreiben und zu reden, auch dort fanden meine Sprüche und Zusammenfassungen großen Anklang. Mittlerweile sind die Sinnsätze nicht nur eine Leidenschaft, eine Begabung, eine Bestimmung, sondern eine echte Aufgabe geworden. 

Kurz, gefühlvoll & inspirierend

Viele meiner Gedankensprüche kombiniere ich mit Fotomotiven von Produkten, Unternehmens-gebäuden, Städten, Sehenswürdigkeiten, Freizeiteinrichtungen, Hotels, Gastronomie, etc. und stelle diese Poesie-Collagen als Großbilder aus, wie auf der CMT in Stuttgart. Oder ich entwickele spezielle Motto-, Leit-, Motivations-, Einladungs-, Aktions- oder Werbesprüche. Gerade in Social Media sind Sprüche und kurze Post-Texte extrem beliebt. Meine Begeisterung für Gespenstergeschichten hat sich auf eine ganz eigene Weise erfüllt – als Ghostwriter. Denn anders als bei Gedankensprüchen,
bei denen stets die Signatur, also mein Name und meine Bezeichnung „Wirtschaftsdichter“ zugegen ist, stehen bei anderen Spruchformen die Auftraggeber im Vordergrund. Das gilt natürlich auch für Slogans und Claims. Dennoch sind die Gedankensprüche am beliebtesten, denn eine Dichter-Signatur macht aus einem Satz eine persönliche Botschaft – sie wirkt wie eine künstlerische Hommage.
Das ist von der Wertigkeit natürlich am höchsten, wer wird schon von einem Dichter beschrieben?
Auch Inhalte auf einen kurzen und aussagefähigen Nenner zu bringen, ist mir erhalten geblieben.
Und das mache ich sehr gerne. Denn lange Texte liest keiner. Wortwüsten sind zudem schnell vergessen. Nichts währt ewig, als das, was kurz gesagt werden kann. 
So bin ich als Autor angekommen.      
Und gerade in der Corona-Krise schätzen viele meine Mutmacher- und Zuversichtssprüche – sie verströmen Hoffnung und lassen uns durchhalten, schrieb mir ein Auftraggeber.
Und fügte an: Sie, lieber Herr Schwarzmann, konzentrieren Emotionen.
Das ist, was wir nicht nur jetzt brauchen.
Das kann ich nur unterstreichen. 

Euer OWS  

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